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Mehr PS an einem Tag gehen nicht - Adrenalintag am Red Bull Ring
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Mehr PS an einem Tag gehen nicht - Adrenalintag am Red Bull Ring

Red Bull Ring, Spielberg

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5 Min. Lesezeit

Standort

Mehr PS an einem Tag gehen nicht - Adrenalintag am Red Bull Ring

Es gibt Tage, die man mit “das war schön” beschreibt. Und es gibt Tage, nach denen man kurz braucht, bis die Hände wieder ruhig sind. Der Adrenalintag am Red Bull Ring gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Herbst 2025, Spielberg in der Steiermark. Statt einer Einheit auf der Tribüne war ich diesmal drin - im Fahrerlebnis-Programm des Red Bull Ring. Was folgte, waren Stunden voller Fahrzeuge, Strecken und dem permanenten Gefühl, dass das nächste Erlebnis gerade noch eine Spur intensiver war als das letzte. Angereist war ich bereits am Vortag und hatte mich in einer Pension direkt am Hang über dem Red Bull Ring einquartiert.

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Der Plan: Alles auf einmal

Das Konzept des Adrenalintags ist einfach und konsequent: Man holt sich ein PS-Spielzeug nach dem anderen aus dem Fuhrpark. Kein Fokus auf Rennsport-Training, keine Theorie-Blöcke - sondern Erleben. Unter Aufsicht erfahrener Instruktoren, aber mit dem Gaspedal in der eigenen Hand. Oder zumindest fast.

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Die Organisation bei der Ankunft läuft reibungslos - und beginnt standesgemäß mit der Einweisung in den Tag und einiges an Exklusiven Fanartikeln die im Paket inbegriffen sind.

Frühstück & Briefing in der VIP Lounge

Bevor es auf die Strecke geht, versammelt sich die Gruppe in der VIP Lounge. Frühstück, Kaffee, und ein Briefing das erklärt was den Tag erwartet. Eine gute Kombination: Man kommt an, wird warm, lernt andere Teilnehmer kennen und bekommt gleichzeitig einen Überblick über Fahrzeuge, Strecken und die wichtigsten Regeln.

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Rückblickend ist das ein unterschätzter Teil des Tages. Man sitzt mit Leuten zusammen, die genauso aufgeregt sind wie man selbst - und der Blick aus der Lounge auf die Anlage macht die Erwartung greifbar.

KTM X-Bow - Ready to Race

Den Auftakt macht der KTM X-Bow. 790 Kilogramm. 330 PS. Von 0 auf 100 in unter vier Sekunden. Keine elektronische Fahrhilfe. Ein direkterer Einstieg in den Tag wäre kaum denkbar. Für mich das erste mal richtig rohes ungefiltertes Autofahren. Kein ABS, kein ESP, keine Servolenkung … nicht mal ein Dach.

Der X-Bow ist kein Auto, das einem schmeichelt - er fordert. Man sitzt tiefer als in jedem Serienfahrzeug, hört den Motor ungefiltert, spürt jeden Meter Asphalt direkt durch das Chassis. Reinrassige Rennsport-Technologie, kein Millimeter Kompromiss. Ein Aufwärmprogramm sieht anders aus - aber nach dieser Session ist man definitiv wach.

Porsche 718 Cayman S - Lead & Follow auf dem F1-Kurs

Nach dem X-Bow kommt der Porsche 718 Cayman S. 350 PS Boxermotor, Mittelmotor-Layout, null Ballast. Im Vergleich zum KTM fühlt er sich fast komfortabel an - was nicht bedeutet, dass er zahm wäre.

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Das Format ist eine “Lead & Follow Session” auf dem Red Bull Ring selbst - dem echten F1/MotoGP-Kurs. Ein Instruktor fährt voraus, man folgt. Die Remus-Kurve, die Schlossgold-Kurve, die lange Zielgerade - man erlebt plötzlich live, was man sonst nur aus TV-Übertragungen kennt. Der Sound des Boxermotors hallt noch nach, lange nachdem man wieder ausgestiegen ist. Für die Strecke ein tolles Auto auch wenn ich von der Leistung meines Daily-Drivers verwöhnt bin würde er die knapp 30 Minuten auf der Strecke sicher nicht so entspannt wegstecken wie der Cayman S.

Mittagessen in der VIP Lounge

Nach zwei intensiven Sessions kommt die Pause genau richtig. Zurück in der VIP Lounge, Mittagessen, kurz durchatmen. Die Gespräche am Tisch drehen sich - wenig überraschend - ausschließlich um Kurven, Bremspunkte und die Frage, was noch kommt. Es ist einer dieser seltenen Momente, in denen eine Pause tatsächlich Teil des Erlebnisses ist. Man tauscht sich aus, kommt runter, und freut sich gleichzeitig auf den Nachmittag.

CFMOTO Offroad-Buggy - Kleines Gerät, große Wirkung

Der Nachmittag beginnt mit dem Kontrastwechsel: der CFMOTO Offroad-Buggy. Leichter Zweisitzer, starker Motor, flexibles Fahrwerk - und eine eigene Buggy-Strecke aus Schlamm, Sand und Schotter.

cfmoto-buggy-offroad

Was zunächst wie das “kleine” Programm wirkt, entpuppt sich als eigenständige Adrenalinquelle. Das Geschwindigkeitsgefühl in einem so leichten Fahrzeug über unebenes Gelände ist überraschend intensiv - und der Spaßfaktor ist ungefähr invers proportional zur Fahrzeugmasse. Für mich das erste Offroad Erlebnis und somit genau das richtig zum Rantasten. Weniger einschüchternd als die großen Offroader und doch roher.

Kart-Rennen - Weil Rennen eben Rennen sind

Dann: Karts. Klingt nach Kindergeburtstag. Ist es nach diesem Tag aber nicht. Wenn alle Beteiligten bereits mehrere Stunden intensive Fahreindrücke im Körper haben und dann auf die Kart-Strecke losgelassen werden, entwickelt sich aus einem harmlosen Rennen ziemlich schnell echter Wettkampf.

kart-rennen

Der Ehrgeiz ist spätestens hier voll entflammt. Kein Instruktor mehr vorne, kein Folgen - nur noch fahren und überholen.

INEOS Grenadier - Grenzen der Physik auf dem 4WD Test Track

Den Abschluss macht der INEOS Grenadier auf dem 4WD Test Track. Der Grenadier ist irgendwie nicht so wie man sich den klassichen Offroader vorstellt nein kein Blankes Metall … luxeriöses und bequemes Interiour, Touchscreens Knöpfe und Hebel wie im Cockpit eines Flugzeuges. Die Strecke: 8.000 Quadratmeter Gelände mit künstlich angelegten Hindernissen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden - und ein Fahrzeug, das genau dafür gebaut wurde.

ineos-grenadier-4wd

Der Moment, in dem man bei der Schrägfahrt durch das Seitenfenster auf den Boden schaut - und der Grenadier trotzdem ruhig weiterrollt - ist genauso schwer in Worte zu fassen wie der Moment wo man einen Abhang hinauf oder hinunter fährt ohne zu wissen was auf einen wartet weil mans einfach nicht sieht. Nach einem Tag auf Asphalt ist das Offroad-Erlebnis ein perfekter Kontrast: langsamer, aber auf eine ganz eigene Art genauso fordernd.

Zum Ausklang und zur Verabschiedung nochmals in die VIP Lounge. Diese mal zu Kaffee und Kuchen sich von den Instruktoren und den anderen Teilnehmern verabschieden und dann geht es fast schon etwas wehmühtig nach Hause.

Fazit

Der Adrenalintag am Red Bull Ring ist kein Ausflug, den man mit “war ganz nett” abtut. Die Kombination aus fünf völlig unterschiedlichen Fahrzeugen, echten Rennstrecken und dem Wechsel zwischen Asphalt und Gelände sorgt für einen Tag, der sich nach einer Woche anfühlt - im besten Sinne.

Wer einmal mit dem Porsche auf dem F1-Kurs gefahren ist, versteht Motorsport auf eine neue Art. Nicht aus der Zuschauerrolle heraus. Sondern aus dem Bauch. Mein Persönliches Highlight war trotz der Fahrt mit dem Porsche auf dem Ring immer noch der KTM X-Bow die Leichtigkeit und Direktheit … das Gefühl wen das erste mal die Reifen beim Runterschalten blockieren. Ich bin mir sehr sicher das war nicht das letzte mal auf einer Rennstrecke für mich und auch nicht auf dem Red Bull Ring.

servus