Warum Linux auf einem Surface Go?
Warum Linux auf einem Surface Go?
Mein Surface Go liegt seit 2019 bei mir herum. Ein kompaktes 10-Zoll-Tablet mit Tastatur-Cover, das ich damals als ruhiges Zweitgerät für Mails, Browsing, Journaling und Aufgabentracking gekauft hatte. Windows lief, es funktionierte, ich hab nicht groß darüber nachgedacht.
Dann kam Windows 11. Den Upgrade-Hack hab ich noch mitgemacht — der Pentium Gold 4415Y im Surface Go ist offiziell nicht unterstützt, aber mit einem Registry-Trick geht es trotzdem. Seither lief das System, aber das Thema hat mich nicht losgelassen: Wie lange will ich das eigentlich noch so weiterführen?
Der eigentliche Auslöser
Die Antwort kam nicht von Microsoft, sondern aus einer breiteren Entwicklung. Die aktuelle Situation rund um US-Tech-Konzerne — allen voran Microsoft — hat mich zum Nachdenken gebracht. Wenn ein Betriebssystem von einer Firma abhängt, die ihrerseits von politischen Entscheidungen in Washington abhängt, ist das ein Risiko, das ich auf Dauer nicht ignorieren will.
Ich bin damit nicht allein. Save Social und der Chaos Computer Club haben Ende 2025 den Digital Independence Day ins Leben gerufen — eine Initiative, die Menschen dazu bewegen soll, ihre digitalen Gewohnheiten zu überdenken und von Big-Tech-Plattformen auf europäische, offene und dezentrale Alternativen umzusteigen. Der Digital Independence Day findet jeden ersten Sonntag im Monat statt — nicht als einmaliges Ereignis, sondern als kontinuierliche Bewegung. Mehr dazu auf di.day.
Das Surface Go wurde mein Testballon.
Warum genau dieses Gerät?
Weil es das richtige Gerät für dieses Experiment ist — aus mehreren Gründen.
Erstens ist es ein Zweitgerät. Wenn irgendetwas schiefläuft, bricht mir kein Workflow weg. Ich kann in Ruhe herumprobieren, ohne Druck.
Zweitens ist es eine echte Herausforderung. Microsoft hat das Surface Go eng um Windows gebaut — Touchscreen, Stift, IR-Kamera, Type Cover. Wenn Linux das alles vernünftig unterstützt, ist das ein echter Beweis, dass die Plattform erwachsen geworden ist.
Drittens ist es genau das Gerät, das ich danach wirklich nutzen will. Nicht irgendein x-beliebiges Notebook, sondern ein 2-in-1, das ich für Journaling, Notizen, leichte Coding-Aufgaben und das Lesen und Schreiben mit Stift verwende.
Was ich mitbringe
Meine Linux-Erfahrung ist überschaubar aber vorhanden. Ich betreibe mehrere Raspberry Pis mit Raspbian, kenne mich mit Debian-basierten Systemen aus, hab auf Servern schon einiges konfiguriert und Docker ist mir vertraut. Den Desktop kenne ich kaum — ich hab Kali Linux einmal kurz auf dem Surface ausprobiert, war aber nicht wirklich zufrieden damit.
Das bedeutet: Ich weiß, wie ein Terminal funktioniert und wie man Pakete installiert. Aber ich fange beim Desktop-Erlebnis mehr oder weniger von vorne an.
Was ich erreichen will
Die Anforderungen sind klar:
- Vollständige Touchscreen-Bedienung wie unter Windows
- Type Cover mit Tastatur und Touchpad
- Surface Pen Support
- Windows Hello-ähnlicher Login per Gesichtserkennung
- Vernünftige Performance auf dem kleinen Gerät
- Alltag: Browsing, Journaling, Zeichnen, Dokumente, leichte VS-Code-Arbeit, Obsidian, Web-Apps
Das klingt nach einer langen Liste — und ein Punkt davon wird sich als unlösbar herausstellen. Aber dazu mehr in einem späteren Teil dieser Serie.
Wie diese Serie aufgebaut ist
Ich dokumentiere die Migration in einzelnen Artikeln, Phase für Phase:
- Warum Linux auf einem Surface Go? — dieser Artikel
- Installation & erste Eindrücke — Ubuntu 24.04 drauf, erster Hardwarecheck
- Der linux-surface Kernel — das Herzstück der ganzen Migration
- Touch, Pen & Tablet-Modus — das Gerät als 2-in-1 nutzbar machen
- Windows Hello — und warum es nicht klappt — eine ehrliche Sackgasse
- Apps einrichten — Flatpak, VS Code, Obsidian, Office & Mail
- Bonus: Kando Pie Menu — ein touch-freundlicher Launcher
- Bonus: OneDrive unter Linux — Files On-Demand mit Rclone
- Fazit nach ein paar Wochen — wie sich das System im Alltag anfühlt
Los geht’s.