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TOP Mountain Crosspoint - Wenn 580 Motorräder auf 2.175 Metern warten
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TOP Mountain Crosspoint - Wenn 580 Motorräder auf 2.175 Metern warten

TOP Mountain Crosspoint, Hochgurgl

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5 Min. Lesezeit

Standort

TOP Mountain Crosspoint - Wenn 580 Motorräder auf 2.175 Metern warten

Eigentlich war das Ötztal diesmal kein Museums-Trip, sondern reine Erholung - ein paar Tage im Aquadome in Längenfeld, Therme, Berge, abschalten. Aber wenn ich schon mal da bin, kann ich doch auch in das eine oder andere Museum schauen. Das TOP Mountain Crosspoint ist dabei kaum zu übersehen: modern, markant, aber trotzdem so in die alpine Umgebung eingepasst, dass es sich nicht aufdrängt. Glas und Holz - und dahinter, wie ich kurz darauf herausfinden sollte, über 580 Motorräder auf 2.175 Metern Seehöhe.

Zuerst zog mich die kleine Ausstellung zu Professor Max Reisch im Erdgeschoss an. Aus historischer Sicht schon sehr interessant - und da mein Vater eine kleine Puch-Motorrad-”Sammlung” hat, kannte ich zwei, drei der Exponate sogar persönlich. Was mich das allerdings nicht vorbereitete: auf das, was im Obergeschoss wartet. Alleine die schiere Größe und Anzahl ist beeindruckend.

Ankommen am Ende des Ötztals

Die Anfahrt von Längenfeld nach Hochgurgl dauert mit dem Auto keine halbe Stunde - immer der B186 entlang, das Tal wird enger, die Berge höher, die Ortschaften kleiner. Obergurgl, dann Hochgurgl, und plötzlich steht man vor dem Crosspoint-Gebäude. Es sitzt direkt an der Mautstation der Timmelsjoch-Hochalpenstraße, dem höchsten Alpenpass der Ostalpen - für Motorradfahrer eine der begehrtesten Routen überhaupt. Das erklärt auch, warum hier oben ein Motorradmuseum dieser Größenordnung existiert.

4.500 m² - und trotzdem zu wenig Zeit

Wenn man die Treppe ins Obergeschoss nimmt, trifft einen die Ausstellung mit voller Wucht. Nicht weil einzelne Exponate so laut wären - sondern weil einfach so viele da sind. Auf 4.500 m² stehen über 580 Motorräder und 40 Fahrzeuge, dicht an dicht, und trotzdem wirkt es nicht überfüllt. Die Ausstellung spannt einen Bogen, der kaum größer sein könnte: von frühen Laufmaschinen und dampfgetriebenen Urvätern des Motorrads bis hin zu modernen Rennmaschinen und Custom Bikes. 157 Jahre Motorradgeschichte - und man glaubt es, wenn man einmal durch die Hallen gegangen ist.

Von der Dampfmaschine bis zum Rennbike - 157 Jahre Geschichte

Die Legenden: Highlights der Sammlung

Ein paar Exponate haben mich besonders aufgehalten - teils wegen ihrer Geschichte, teils weil man sie einfach nicht ignorieren kann.

Der Indian Scout von 1940 ist so ein Stück. Über 80 Jahre alt, und trotzdem wirkt er nicht wie ein Museumsstück das hinter Glas gehört, sondern wie ein Motorrad das man am liebsten gleich anlassen würde. Nicht weit davon entfernt das genaue Gegenteil: ein Indian Chief Vintage Custom Bike aus 2017 - komplett umgebaut, tief, breit, mit diesem charakteristischen Bagger-Auftritt der nichts dem Zufall überlässt. Zwei Indians, fast acht Jahrzehnte auseinander, und beide auf ihre Art ikonisch.

Was einen dann doch kurz stoppen lässt: eine Suzuki GS 450L auf einem einzigen Rad aufgebaut - ein Ausstellungsstück das buchstäblich auf der Kante balanciert. Daneben die Honda RC 45 von 1993, längs in der Mitte aufgeschnitten und als Schauobjekt aufgestellt. Was beim ersten Hinschauen brutal wirkt, ist eigentlich faszinierend - man sieht den kompletten Antriebsstrang, Rahmen, Motor, alles auf einmal. Technisch gesehen wohl das lehrreichste Exponat im ganzen Museum.

Den Bogen zurück zur österreichischen Geschichte spannt eine Puch LM Tourensport von 1923 - ein Exponat das mich persönlich besonders angesprochen hat, weil ich dank meines Vaters und seiner kleinen Puch-Sammlung zumindest eine grobe Ahnung hatte, was ich da vor mir habe. Und dann noch der KTM X-Bow GT4 - streng genommen kein Motorrad, aber als KTM Rennmaschine passt er perfekt in den Kontext, und optisch zieht er sowieso jeden Blick auf sich.

Wer bei Motorrädern irgendwann die Sättigung erreicht, findet in der Microcar-Ecke eine willkommene Abwechslung. Der Messerschmitt Kabinenroller - ja, vom Flugzeughersteller - steht hier als Vertreter einer ganzen Sammlung von Kleinstwagen aus den 1950er und 60er Jahren. Die Idee dahinter ist eigentlich naheliegend: das Museum zeigt die Übergangszeit von der Motorisierung durch Zweiräder hin zum Auto - und kein Fahrzeug verkörpert diesen Übergang besser als ein dreirädriger Kabinenroller mit Flugzeugkanzel.

messerschmitt-kabinenroller

KTM-Ecke und der 4D-Kino-Moment

In Kooperation mit der KTM Motohall in Mattighofen gibt es einen eigenen interaktiven Bereich - 24 KTM-Fahrzeuge von einem 1956er Oldtimer bis zum modernen X-Bow, plus mehrere Mitmach-Stationen. An einem Motortisch wird der Unterschied zwischen Zwei- und Viertakter visuell erklärt, an einer anderen Station kann man auf einem Bike Platz nehmen und bekommt dazu Sound und Vibrationen serviert - näher kommt man einem Motorrad in einem Museum wohl nicht.

ktm-interaktiv

Das Timmelsjoch - mehr als nur Kulisse

Das Museum liegt direkt an der Mautstation der Timmelsjoch-Hochalpenstraße - der höchsten Passstraße der Ostalpen mit 60 Kehren hinüber nach Südtirol, für Motorradfahrer eine der begehrtesten Routen in den Alpen. Bei meinem Besuch im Frühjahr war die Straße noch gesperrt, der Pass noch nicht offen. Aber allein der Blick von hier oben auf die umliegenden Dreitausender macht klar warum dieser Ort für Motorradfahrer eine besondere Bedeutung hat - Museum und Traumroute unter einem Dach, das ist schon eine ziemlich clevere Kombination. Auch das angeschlossene sehr einzigartig dekorierte Restaurant kann ich nur empfehlen.

Praktische Infos

AdresseTOP Mountain Crosspoint, Hochgurgl 1, 6456 Obergurgl
Höhe2.175 m ü. A.
ÖffnungszeitenTäglich 10-17 Uhr (Mai bis April, ganzjährig geöffnet)
Eintritt MuseumErwachsene € 15, Kinder € 8, Gruppen ab 10 Personen -10%
TippMit einem 6-Tage-Skipass ist der Museumseintritt gratis!
RestaurantPanoramarestaurant täglich ab 9 Uhr
Kontaktcrosspoint@tophochgurgl.com / +43 5256 62111
Websitecrosspoint.tirol

Anreise: Über die B186 Ötztaler Straße bis nach Hochgurgl - das Crosspoint-Gebäude liegt direkt sichtbar am Ortseingang. Wer von Süden über das Timmelsjoch kommt (nur im Sommer offen), zahlt die Straßenmaut an der Hochgurgl-Station.

Fazit

Das TOP Mountain Crosspoint ist einer jener Orte, bei denen man sich nach dem Besuch fragt: wie ist das eigentlich entstanden? Jemand hat auf 2.175 Metern, am Ende eines Tiroler Tals, ein Motorradmuseum in dieser Dimension gebaut - und es funktioniert. Die Architektur passt, die Lage ist spektakulär, und die Sammlung hält was das Gebäude verspricht.

Interessant ist es dabei längst nicht nur für Motorradfahrer - wer sich für Technik und Technikgeschichte begeistert, wird genauso auf seine Kosten kommen. Von der Dampfmaschine bis zum Rennbike, von der Puch bis zum KTM X-Bow, von der interaktiven Station bis zum aufgeschnittenen Rennmotor: da ist für jeden etwas dabei.

Ich war im Frühjahr, der Pass noch geschlossen, die Anreise mit dem Auto. Aber beim nächsten mal seh ich mir sicher den ganzen Pass an, denn alleine für die Timmelsjoch-Straße lohnt sich die Fahrt ins Ötztal nochmal.