Linux auf dem Surface Go - Bonus: Thunderbird und das Zeitformat
Linux auf dem Surface Go - Bonus: Thunderbird und das Zeitformat
Ein kurzer Bonus-Artikel - aber einer der gut illustriert wie der Umstieg auf Linux manchmal läuft: oberflächlich simpel, im Detail dann doch nicht.
Das Problem
Thunderbird zeigt im Kalender Zeiten im AM/PM-Format an - obwohl das System auf Deutsch eingestellt ist, die Zeitzone stimmt, und eigentlich alles nach 24-Stunden-Format aussieht. Kurz: Freedom Units, ungebeten.
Das ist kein Bug im eigentlichen Sinne, sondern eine Verkettung von zwei Eigenheiten die zusammen das falsche Ergebnis produzieren.
Warum passiert das?
Thunderbird ist bei mir als Flatpak installiert. Flatpak-Apps laufen in einer Sandbox - sie sind vom Rest des Systems stärker isoliert als klassisch installierte Pakete. Das hat Vorteile, aber es bedeutet auch dass Systemeinstellungen nicht automatisch durchkommen.
Konkret: Thunderbird hat in seinen internen Einstellungen (about:config) einen Schalter namens intl.regional_prefs.use_os_locales. Steht dieser auf false - was der Standard ist - ignoriert Thunderbird die Locale des Systems vollständig und fällt auf seine eigene interne Locale zurück. Die ist en-US. Und en-US bedeutet AM/PM.

Der erste Versuch - about:config
Der naheliegende Fix: In Thunderbird unter Einstellungen → Allgemein → Konfiguration bearbeiten (ganz unten) about:config öffnen, nach intl.regional_prefs.use_os_locales suchen, und den Wert auf true schalten.

Thunderbird neu starten - AM/PM immer noch da.
Der Grund: Das Flatpak hat seine eigene isolierte Umgebung. Selbst wenn Thunderbird jetzt die OS-Locale lesen will, sieht es im Flatpak-Sandbox nicht dieselbe Locale wie das restliche System. Der Wert true allein reicht nicht.
Der Fix der tatsächlich funktioniert
Die Lösung ist, der Flatpak-Instanz von Thunderbird die Locale explizit mitzugeben - über einen Flatpak-Override der die Umgebungsvariable LC_TIME setzt:
flatpak override --user org.mozilla.Thunderbird --env=LC_TIME=de_AT.UTF-8
Für Deutschland entsprechend de_DE.UTF-8 verwenden. Danach Thunderbird neu starten - das Zeitformat ist 24 Stunden.

Was das eigentlich zeigt
Das ist eine dieser Kleinigkeiten die den Umstieg auf Linux an der Oberfläche einfach erscheinen lassen - und im Detail dann doch nicht so einfach sind.
Thunderbird installieren: ein Befehl, fertig. Gmail einrichten: OAuth, funktioniert auf Anhieb. Google Calendar: Add-on installiert, läuft. Und dann steht da AM/PM im Kalender und man verbringt mehr Zeit als man zugeben möchte damit, herauszufinden warum - weil die Ursache eben nicht in Thunderbird selbst liegt, sondern im Zusammenspiel von Flatpak-Sandboxing, interner Locale-Einstellung und Umgebungsvariablen.
Wer von Windows kommt erwartet: Systemsprache einstellen, fertig, alle Apps ziehen mit. Unter Linux ist das im Prinzip genauso - außer wenn es eine Flatpak-App ist. Und dann braucht man den richtigen Befehl, den man nicht kennen kann wenn man ihn noch nie gebraucht hat.
Kein Dealbreaker. Aber ein ehrlicher Einblick in wie der Alltag mit Linux manchmal läuft.