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Vom Zuschauer zum Beifahrer - Insidertour und Renntaxi am Hockenheimring
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Vom Zuschauer zum Beifahrer - Insidertour und Renntaxi am Hockenheimring

Hockenheimring Baden-Württemberg

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7 Min. Lesezeit

Standort

Vom Zuschauer zum Beifahrer - Insidertour und Renntaxi am Hockenheimring

Tag drei der Museumswoche, und der Plan sah eigentlich so aus: Sinsheim als Basis, von dort weiter zum nächsten Programmpunkt. Beim Recherchieren der Route ist mir dann aufgefallen, dass der Hockenheimring fast genau auf der Strecke liegt. Ein paar Klicks später war klar: Es gibt eine Insidertour übers Gelände - und unabhängig davon kann man Runden im Renntaxi buchen. Beides gemeinsam an einem Tag, das war meine Variante.

Nach zwei Tagen, an denen ich vor Maschinen gestanden bin, die nicht mehr fliegen, fahren oder tauchen, war das genau der richtige Bruch.

Anreise

Von Sinsheim nach Hockenheim ist es eine knappe halbe Stunde. Die A6 macht den Großteil, der Rest ist Landstraße. Die Anfahrt zum Ring ist ungewöhnlich unspektakulär - kein Autobahnschild mit Boxengasse drauf, kein hochgezogener Eingang. Man biegt einfach ab, und dann steht man vor dem Welcome Center. Erst beim Reingehen merkt man, wo man eigentlich ist.

welcome center

Die Insidertour - Welcome Center und Südtribüne

Treffpunkt war das Welcome Center, von dort aus ging es mit dem eigenen Auto im Konvoi zu den einzelnen Stationen. Das Format ist erstmal ungewohnt, hat aber einen Charme: Man fährt Teile des Geländes selbst ab, was schon einen anderen Bezug zur Anlage schafft, als wenn man einfach im Bus durchgeschoben wird.

Erste Station: die VIP-Lounge auf der Südtribüne. Leerer Raum, große Fensterfront, Blick auf eine Strecke, die ich bis dahin nur aus Fernsehübertragungen kannte. Man sieht plötzlich, wie nah die Tribüne tatsächlich an der Strecke ist - und wie weit der Blick reicht. An einem Rennwochenende sitzt hier einer eng am anderen, an einem Werktag im April ist es einfach nur still.

Fast still - denn auf der Strecke ist an dem Tag durchaus etwas los. Während wir oben in der Lounge stehen, sind unten Porsche Cup-Teams mit Porsche 911 GT3 Cup-Fahrzeugen bei Testfahrten. Das war im Programm so nicht angekündigt, aber natürlich ein Glücksfall: Man bekommt eine Tour übers Gelände - und auf der Strecke laufen währenddessen echte Rennautos in echtem Tempo. Der Soundteppich macht aus der ohnehin schon greifbaren Atmosphäre etwas, das man so nicht buchen kann.

porsche cup test

Osttribüne mit Blick auf die Parabolika

Die Osttribüne war für mich der Punkt, an dem die Strecke das erste Mal richtig groß wird. Von hier aus geht der Blick auf die Parabolika - jene lange Geraden-Kurven-Kombination, auf der die Formel-1-Wagen früher Topgeschwindigkeit erreicht haben. Wenn man dort steht und sich vorstellt, wie hier ein Schumacher, ein Häkkinen, ein Hamilton durchgekommen ist, bekommt der Asphalt unter einem ein bisschen mehr Gewicht. Und während man das überlegt, kommt unten gerade ein GT3-Cup-Wagen mit ordentlich Zug durchgefahren - das hilft.

osttribuene parabolika

Der Guide hat dazu Geschichten zur Streckengeschichte parat, zu Umbauten, zu legendären Rennen. Hockenheim ist nicht mehr die Hochgeschwindigkeitsstrecke durch den Wald, die sie bis 2001 war - die alte Streckenführung mit den langen Geraden durchs Hockenheimer Forst gibt es so nicht mehr. Was geblieben ist: die Atmosphäre und das Motodrom als Stadion-Sektion.

Rennleitung und Siegerpodest

Weiter ging’s zur Rennleitung. Ein Raum, den man sonst nie zu sehen bekommt - außer auf TV-Aufnahmen, wenn die Kameras kurz reinschwenken. Bildschirme, Pulte, der Funkverkehr-Arbeitsplatz, von dem aus an einem Rennwochenende das gesamte Geschehen koordiniert wird. Heute leer, aber man bekommt ein klares Bild davon, wie viel Logistik hinter so einem Rennen steckt, das im Fernsehen wie eine reine Stoppuhr-Veranstaltung wirkt.

rennleitung

Das Siegerpodest ist dann der Moment, an dem die Tour kurz kippt - ins leicht Touristische. Jeder darf hoch, jeder macht ein Foto, und ehrlich gesagt: man tut es. Auf dem Platz, auf dem ein paar Wochen später wieder einer mit Champagnerflasche stehen wird, einmal selber kurz Position eins. Albern, aber genau das ist der Punkt.

siegerpodest

Sightseeingrunde mit dem eigenen Auto

Bevor die Tour offiziell zu Ende geht, kommt der für mich überraschendste Teil: eine Sightseeingrunde auf der Strecke. Mit dem eigenen Auto. Geführt vom Tour-Guide an der Spitze, hinterher der Konvoi der Teilnehmer.

Selber auf der Grand-Prix-Strecke zu fahren - auch wenn es im gemütlichen Tempo ist - ist ein anderes Gefühl, als zugeschaut zu haben. Man sieht die Streckenführung aus der Fahrerperspektive, merkt erst dann, wie sich Kurven anfühlen, die im Fernsehen wie eine flache Linie aussehen. Die Senken, die Bodenwellen, die Weite der Auslaufzonen - das alles wird greifbar, sobald man selbst über den Asphalt rollt.

Und doch: Es ist ein Vorgeschmack. Tempo wie auf einer Landstraße. Das Eigentliche kam erst später.

Renntaxi - das Fahrerlebnis als separate Buchung

Hier ist es wichtig zu wissen: Das Renntaxi-Erlebnis ist eine eigene Buchung und nicht Teil der Insidertour. Wer beides will, bucht beides getrennt - und macht dann das, was ich gemacht habe: Tour vormittags, Mitfahrt im Anschluss.

Der Hockenheimring hat dafür ein eigenes Programm, das man flexibel kombinieren kann. Im Angebot: Mitfahrt im Mercedes-AMG GTS oder im Porsche 911 GT3. Ich habe mich für den AMG entschieden - weil ich ohnehin schon immer mal in einem sitzen wollte.

Im Fahrerlager - und dann der GTS

Treffpunkt für das Fahrerlebnis war direkt im Fahrerlager an der Boxengasse. Spezifischer Box 47 Vor der Box steht der Mercedes-AMG GTS - tiefer und breiter als auf Bildern, mit dieser langen Motorhaube, die einen schon im Stand ein bisschen einschüchtert. Die andere Option an Mitfahrgelegenheit steht in der Box einer von 4 Porsche 911.

Briefing, Helm, Anschnallen. Der Instruktor, ein Profi, der hier offenbar mehrmals täglich Runden dreht, ist routiniert ohne Show. Kurze Erklärung, was kommt, dann geht’s los.

Drei Runden - das Können macht den Unterschied

Was man bei einer Mitfahrt unterschätzt: Es geht nicht primär um Geschwindigkeit. Es geht um das, was zwischen den Geschwindigkeiten passiert - und um die Person, die das Auto dazwischen bewegt.

Beschleunigung kennt jeder, der ein halbwegs ordentliches Auto fährt - im AMG ist sie nochmal eine andere Liga, klar, aber das Gehirn ordnet das relativ schnell ein. Was es nicht einordnen kann, ist das Bremsen. Der Instruktor hat im Anflug auf eine Kurve so spät gebremst, dass ich beim ersten Mal überzeugt war, das geht sich nicht mehr aus. Und dann verzögert dieses Auto auf eine Art, die man körperlich spürt - als würde jemand am Brustgurt ziehen. Hundertfünfzig Meter Bremsweg, die ich auf der Autobahn brauchen würde, fallen hier in einen Bruchteil zusammen.

Genauso eindrucksvoll: das Wiederbeschleunigen aus der Kurve heraus. Kein langsames Hochziehen wie bei einer Familienlimousine, sondern ein direkter Wechsel von Verzögerung in Vorwärtsschub. Die G-Kräfte werfen einen abwechselnd in den Sitz und in den Gurt. Drei Runden klingen nach wenig, aber wenn der Körper jede Sekunde mit einer neuen Richtungsänderung kämpft, sind drei Runden ziemlich genau die richtige Dosis.

Aber das Eigentliche ist nicht das Auto. Es ist der Mensch am Steuer. Der Instruktor hat zwischendurch ein paar Anmerkungen gemacht - wo ein Bremspunkt liegt, warum er hier so spät einlenkt - aber das war nicht der Kern. Der Kern war, wie selbstverständlich er das Auto an einer Linie hält, die für mich auf der Beifahrerseite jenseits jeder Vorstellung lag. Ich hab gespürt, wie das Heck arbeitet, wie die Reifen kämpfen, wie das Auto in der Kurve auf irgendetwas reagiert, das ich von rechts gar nicht erkennen konnte - und der Mann am Steuer fängt das alles weg, ohne dass es überhaupt zur Krise wird.

Was im Fernsehen wie eine perfekt gefahrene Linie aussieht, ist in Wahrheit ein körperlich anstrengender Tanz mit einem Auto, das ständig irgendwohin will. Und der Profi neben einem macht das Ganze so beiläufig, dass man als Beifahrer kurz vergisst, dass das gerade alles andere als beiläufig ist.

Praktische Infos

Wichtig: Das sind zwei separate Buchungen. Die Insider Tour ist die geführte Tour übers Gelände inklusive Tribünen, Rennleitung und Siegerpodest - ca. 90 Minuten, mit dem eigenen Auto, ab etwa 12 €. Termine sind außerhalb der Rennwochenenden gut verfügbar (im Standard meist Dienstag und Samstag, dazu individuelle Gruppentermine). Das Renntaxi ist davon unabhängig zu buchen - ob im Mercedes-AMG GTS oder im Porsche 911 GT3, mit unterschiedlicher Rundenanzahl. Wer beides will, plant am besten beide Termine eng aufeinander.

AdresseAm Motodrom, 68766 Hockenheim
Insider Tourca. 90 Min, eigenes Auto, ab ca. 12 €
Renntaxiseparates Fahrerlebnis, AMG GTS oder Porsche 911 GT3
Buchung Tourüber den Ticketshop auf der Website
Buchung Renntaxiüber die Fahrerlebnis-Sektion auf der Website
Websitehockenheimring.de

Fazit

Hockenheim war das passende Gegenstück zu zwei Tagen Museum. In Sinsheim und Speyer steht man vor Maschinen, die mal Geschichte gemacht haben und jetzt stillgelegt sind. Am Ring sitzt man in einer Maschine, die genau das tut, wofür sie gebaut wurde - und das mit einem Profi am Steuer, der zeigt, was möglich ist.

Die Insidertour selbst - Welcome Center, Tribünen, Rennleitung, Podest - ist der Aufbau. Das Renntaxi ist die Auflösung. Wer nur eines von beidem bucht, lässt einen Teil dessen liegen, was den Tag ausmacht. Die Tour erklärt einem den Ort. Das Renntaxi erklärt einem, was an diesem Ort eigentlich passiert. Drei Runden klingen nach wenig. Sind aber genau richtig. Tag vier bringt einen Tapetenwechsel: weiter nach Stuttgart, raus aus der Museumsroutine, rein in einen Familientag. Erst Tag fünf führt mich wieder zurück in den Museumsmodus - und zwar zu zwei Adressen, die für Stuttgart-Besucher schlicht unverzichtbar sind.